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» Veranstaltungen im Überblick, 2. Semester 2010

Galsan Tschinag:
"Begegnung der Nomaden des Toggenburgs mit der Mongolei"
Lesung/Begegnung mit Galsan Tschinag

Mittwoch, 29. September, 20 Uhr
Propstei, Alt St. Johann
Kollekte

Eintritt frei - Kollekte

Galsan Tschinag ist Angehöriger der Volksgruppe der turksprachigen Tuwiner. Bekannt wurde er als deutschsprachiger Schriftsteller. Er ist auch Stammesoberhaupt, Schamane, Lehrer und Schauspieler. Er selbst sieht sich in erster Linie als Ernährer seines Stammes, den er in einer Karawane von Sibirien in seine mongolische Heimat geführt hat.

Galsan Tschinag wurde 1944 im Bajan-Ölgii-Aimag, im Hohen Altai in der westlichen Mongolei als jüngster Sohn einer tuwinischen Schamanin geboren. 1962 bis 1968 studierte er Germanistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und beendete sein Studium mit einer Diplomarbeit über Erwin Strittmatter. Er kehrte danach als Deutsch-Lehrer an die staatliche mongolische Universität zurück. 1976 wurde ihm die Lehrerlaubnis wegen politischer Unzuverlässigkeit entzogen. 1980 schloss Galsan Tschinag mit seinem Leben bereits mit nur 36 Jahren ab, nachdem bei ihm ein schweres Herzleiden diagnostiziert wurde. Der Autor arbeitete zuvor 12 Stunden täglich als Dozent an allen vier mongolischen Universitäten. Laut Tschinag haben ihm allein seine schamanischen Kräfte und viel Sport das Leben gerettet.

Heute lebt er den größten Teil des Jahres in der Landeshauptstadt Ulan Bator gemeinsam mit seiner knapp 20-köpfigen Familie und verbringt viel Zeit auf Lesereisen im deutschsprachigen Ausland. Je ein Drittel des Jahres verbringt er in seiner Residenz in Ulan Bator, in Europa und in der westmongolischen Steppe bei seinem tuwinischen Stamm. Er schreibt seine Romane, Erzählungen und Gedichte meist auf Deutsch, weshalb er als deutschsprachiger Migrantenschriftsteller gesehen wird. Seine Erzählungen wurden auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.

Die Beziehung zu seinem 4000 Menschen umfassenden Volk beschreibt Tschinag als ein kontinuierliches Geben und Nehmen. Die Geschichten aus seinen Büchern sind die Geschichten des Volkes. Das Honorar für die zahlreichen Lesereisen verwendet er, um die Menschen in seinem Volk finanziell zu unterstützen. Ohne seine Erlaubnis darf niemand zum Arzt gehen, vorher muss sich die betreffende Person von dem Schamanen untersuchen lassen. Neunzig Prozent dieser Krankheiten, so Tschinag, können von ihm selbst geheilt werden. Als sein Stellvertreter gilt sein jüngster Sohn, der auch die Nachfolge als Stammesoberhaupt von seinem Vater erben wird.

www.galsan.info
 

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